Background

Seit Juli 2014 gibt es am Kunstmuseum Stuttgart den eigenen Arbeitsbereich Provenienzforschung.

Bei dieser Forschung geht es im Wesentlichen darum, mit wissenschaftlichen Methoden die Herkunftsgeschichte und Eigentümerwechsel der Kunstwerke im Besitz der Stadt Stuttgart und des Kunstmuseum Stuttgart herauszufinden und zu prüfen, ob sich in den Beständen NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut befindet.

Das Kunstmuseum Stuttgart sieht sich in diesem Zusammenhang den Zielen der Washington Principles von 1998 und der Gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz, vom Dezember 1999 verpflichtet.

Das langfristige Ziel der Provenienzforschung am Kunstmuseum Stuttgart ist, die Kunstwerke möglichst des gesamten, ab 1933 erworbenen und bis 1945 entstandenen Sammlungsbestandes auf ihre Provenienzgeschichte hin zu überprüfen. Bei Berücksichtigung aller in der Sammlung vorhandenen Gattungen handelt es sich dabei um mindestens rund 3000 Kunstwerke, davon etwa 800 Gemälde, 700 Zeichnungen, 400 Aquarelle, 200 Pastelle, 600 Radierungen, 150 Lithographien, 50 Holz-/Linolschnitte und 20 Plastiken.

Dank der finanziellen Sicherung zunächst über die Arbeitsstelle für Provenienzforschung, dann die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste konnte in der Zeit vom 1. Juli 2014 bis zum 30. Juni 2017 ein erstes Provenienzforschungsprojekt erfolgreich durchgeführt werden. Dieses Projekt widmete sich vornehmlich rund 30 Gemälden von Otto Dix und etwa 400 Gemälden der Erwerbungszeit 1933–1945. Für fast ein Viertel der Kunstwerke konnte die Provenienz eindeutig geklärt werden. Zur zweifelsfreien Ermittlung der Herkunftsgeschichte der weiteren Objekte besteht noch ergänzender oder vertiefender Forschungsbedarf.

Da die Forschung sehr komplex und langwierig ist, was nicht nur mit dem Umfang der Sammlung, sondern auch mit der kriegsbedingt lückenhaften Quellenlage, dem wachsenden zeitlichen Abstand zur Entstehungs- und Erwerbungszeit der Kunstwerke und dem Aufbaustatus dieser Forschung in Stuttgart zu tun hat, wird eine Fortsetzung der begonnenen Bestandsuntersuchung und der zugehörigen Kontextforschung angestrebt.

Gefördert von

Bild: Rueckseite_Randegg_8f9f16.jpg
Rückseite »Randegg im Schnee mit Raben« (1935) von Otto Dix